Hölle und Himmel
Vollgepackt mit vielen Geschenken und Erinnerung an richtig schöne drei Wochen in der Heimat ging es am 10. Januar wieder zurück nach Australien. Zwar konnte ich mich seelisch schon auf den 24 stündigen Flug einstellen, allerdings nicht darauf was mich während diesen Fluges erwarten sollte. Aber von Anfang an:
Das schlimmste daran war, dass ich mir alles selbst zuzuschreiben hatte, weil ich meinen Sitz beim einchecken am Computer in der Hoffnung auf eine Reihe ganz für mich von 57H auf 63H geändert habe. Leider hat sich das im Nachhinein als grosser Irrtum herausgestellt, der noch dadurch verschlimmert wurde, dass der Sitz neben 57H den ganzen Flug über frei geblieben wäre. In Reihe 63 fing das Unheil damit an, dass ein junger Mann vietnamesischer Herkunft auf meinem Platz gesessen ist. Den hat er dann zwar schnell wieder verlassen, anstatt sich aber in die Mitte zu setzen wohin er laut seinem Boardingpass gehört hätte, entschied er sich für den Fensterplatz, den er mit dem Hinweis „Hier ist es aber schöner“ auch dann nicht verlassen wollte als ich nochmals einladend auf den Platz in der Mitte wies. Da ich meinen Platz aber ja jetzt hatte war es mir eigenlich auch egal und so begann ich mich in meinen 97cm Beinfreiheit häusslich ein zu richten.
Ich hatte die Rechnung aber ohne den Wirt, oder in diesem Fall eine Vietnamesin mit Ihrem Kleinkind („Klein“ bezieht sich dabei aber nur auf das Alter des Kindes, da es im wahrsten Sinne des Wortes ein Riese war und den grössten Kopf hatte den ich jemals gesehen habe (Ich muss zugeben, dass ich auch kurz über die Verwendung des Wortes „Mutant“ nachgedacht habe um das Baby zu beschreiben mich dann aber aufgrund von „political corectness“ dagegen entschieden habe). „Jetzt übertreibt er aber“ werdet Ihr Euch vielleicht denken, weshalb ich an dieser Stelle zwei Reaktionen der Flugbegleiter auf meinen „kleinen Liebling“ wiedergeben möchte:
1.) Sie wollten seinen Pass sehen, da nur Kinder bis 2 Jahren auf dem Schoss Ihrer Eltern sitzen dürfen er aber viel grösser war und sie dachten, dass die Mutter ein wenig schummeln wollte,
2.) „Kein Wunder ist er so gross“ (Das war nachdem die Flugbegleiterin das fünfte Fläschen zubereitet hat und dem Kind fassunglos beim trinken zuschaute).
Ihr könnt Euch wahrscheinlich schon denken was als nächstes kommt, nämlich dass sich eben jenes Kind mitsamt seiner Mutter auf den Platz neben mich setzte, obwohl auch diese beiden eigentlich woanders hätten sitzen sollen. Aber meine Reihe war halt auch einfach schön und warum soll man sich auch an die Platzangaben halten, die ja eher soetwas wie grobe Richtungsangaben darstellen. Die Mutter machte es sich dann aber erstmal gemütlich wobei die Betonung hierbei auf „sich“ liegt weil das nämlich für mich bedeutete, dass mir das Kind mehr oder weniger auf dem Schoss gesessen ist und dabei laute Schreie aus seinem riesigen Kopf ausstiess.
Um die Situation nur nochmal kurz zusammen zu fasssen:
- Gang (Meine Wenigkeit / Sitzplatz korrekt)
- Mittelplatz (Mutter mit Kind / Sitzplatz inkorrekt, richtiger Platz unbekannt)
- Fensterplatz (Vietnamese / eigentlich Mittelplatz „aber am Fenster halt Besser“)
Mit einem schreienden Kind neben und zehn Stunden Flug vor mir, bekam meine Hoffnung aber nochmal auftrieb als nämlich der richtige Besitzer des Fensterplatzes auftauchte, die Stewardess darauf bestand dass jetzt jeder an seinen richtigen Platz geht, dann aber alles beim Alten blieb weil erstens niemand so richtig wusste wohin und dann auch noch der rechtmässige Besitzer des Fensterplatzes einfach auf einen anderen Platz gesessen ist. Verdammt!
Zwar gab es auch witzige Szenen in denen die Stewardess mit mir auf Englisch gesprochen hat, ich das dann in deutsch für eine dritte Vietnamesin übersetzt habe die das dann wiederum an meine Sitznachbarin (die nämlich nur Vietnamesisch sprach) weitergegeben hat, weniger witzig waren die fortwährenden Schreie und Rippenschläge von Kind und Mutter, WINDELWECHSEL auf dem Sitz neben mir und als Hohepunkt als Resultat von zuviel Fläschen (siehe oben) noch ein spuckendes Kind bei dem leider auch mein Tablett und meine Hose nicht verschont wurden. Wenn ihr jetzt denkt, dass sich die Mutter des Kindes wenigstens dann zu einer Entschuldigung hinreissen liess als ich die Reste der oben genannten Aktion von meinem Tablett wischte habt Ihr euch getauscht – Nichts, Nada Niente!
In Hongkong musste ich dann von einem Gate zum nächsten hetzen, hätte den Anschlussflieger fast verpasst und dann noch fast einen Herschlag bekommen als es hiess, dass mein Sitzplatz geandert werden musste. Die Gedanken den zweiten Teil des Fluges in Frieden verbrigen zu dürfen waren es nämlich die mich während den 10 Stunden im „Flight from Hell“ am Leben hielten.
Pechvogel
Ich glaube ich habe Euch erzählt, dass mein Chef seit ca. drei Monaten ziemlich krank ist und zwar hat er chronische Borreliose, weshalb er auch schon mal drei Jahre jeden Tag Antiniotika nehmen musste und in letzter Zeit ziemlich angeschlagen war. Mittlerweile geht es ihm aber ein wenig besser und er kommt wenigstens ab und zu wieder ins Geschäft.
Leider ist das aber nicht das einzige Problem sondern bei Ihm kommt zur Zeit wirklich alles zusammen:
Am Dienstag wurde seine Mutter vom Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht, als ein grosser Schrank, den sie vom Treppenhaus in die Wohnung schieben wollte auf sie drauf und dann mit Ihr noch 20 Stufen runter gefallen ist. Weil sie am Anfang auch Ihre Beine nicht mehr bewegen konnte, könnt Ihr Euch ja vorstellen wie das meinen Chef mitgenommen hat. Allerdings geht es ihr jetzt schon wieder besser und sie hatte nur schwere Prellungen.
Am Donnerstag waren er und ich zum Mittagessen in einem schönen Restaurant von Lieferanten eingeladen. Leider musste er nach dem ersten Bissen von einem Taxi zum Arzt gebracht werden, weil er aufgrund einer allergischen Reaktion gegen das Essen keine Luft mehr bekommen hat. Wirklich alles kam dann aber zusammen als er am Abend einen Spaziergang machen wollte um wieder einen klaren Kopf zu bekommen und dabei überfallen und zu Boden gestossen wurde. Er hatte aber Glück im Unglück und keinen Geldbeutel dabei. Für Ihn kann das Jahr 2009 doch eigentlich nur noch bergauf gehen, oder?
Aber in mir hat er ja zumindest einen tollen und zuverlässigen Mitarbeiter, der ganz alleine das Essen mit den Lieferanten fortgesetzt hat und dann sogar noch den Rest des Nachmittags anstatt in den sicheren Hafen des Büros zurück zu kehren, lieber in in diversen Pubs zur verbesserung der „Relationship“ mit Ihnen verbracht hat ;-)!
Was sonst noch geschah?
Natasha geht es gut auch wenn und sie jetzt kein Geld mehr auf dem Konto hat. weil South African Airlines Ihr den Flugpreis zweimal abgebucht hat und sie sich alles Geld von Ihren Freundinnen leihen muss. Sansibar war aber wohl echt schön und hatte das „blaueste Wasser“ das sie jemals gesehen hat. Seit gestern ist sie jetzt im zweiten Krankenhaus in Tansania und ich halte Euch auf dem Laufenden.
Ich war zweimal im Kino und habe mit „Slumdog Millionaire“ und „The Wrestler“ zwei echt gute Filme gesehen die ich nur empfehlen kann. Bei „The Wrestler“ musste ich auch das eine oder andere mal daran denken, dass ich Hulk Hogan einmal auch fast live gesehn hätte wenn mir wirklich gute Freunde dabei nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten (Ja, Ich meine Euch Felix& Falko ;-)).
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